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La Re-stanza: die Ko-Präsenz der Zeiten

Risse sind da,
sie geschehen,
wir machen sie.

Die Arbeit entstand aus einer sensoriellen Erinnerung: der Erinnerung an ein Fragment des täglichen Lebens, ein Überbleibsel, das im Laufe der Zeit zu einer Schwelle geworden ist - ein sensibler Raum, in dem Materie zu Erinnerung und das Gewöhnliche mit verborgenen Bedeutungen aufgeladen wird. Es ist wie die Vorsilbe «Re-», die tief in der italienischen Sprache verwurzelt ist: Sie erinnert an etwas, das neu gemacht, rehabilitiert, wiederhergestellt werden muss. Eine Geste, die zurückblickt, nur um anderswo hinzugehen. Der Künstler setzt sich mit Materie, Erinnerung und alltägliche Gesten auseinander, um zu zeigen, was weiterbesteht und was sich widersetzt. Nicht um es zu bewahren, sondern um es in der Gegenwart zu aktivieren: in der Spur, im Vorbeigehen, in der Aufmerksamkeit.
Ein einfacher Ort, durchzogen von einem anhaltenden Geruch nach Kampfer, vermischt mit anderen Gerüchen, die aus den Wänden und dem Boden aufzusteigen schienen. Aus diesem Erinnerungsfragment entstand ein Projekt, das einen Alltagsgegenstand in das verwandelt, was hier als künstlerische Arbeit präsentiert wird.
Der Boden mit seinen Adern, seinen Unvollkommenheiten, seiner Fähigkeit, die Spuren der leisen Schritte festzuhalten, ist nicht nur eine Fläche, sondern ein lebendiger Webstuhl der Erinnerung, ein Raum der Beziehungen, der mit Erinnerungen verwoben ist.
Dieses ursprüngliche Element des Bodens wird heute durch eine phänomenologische Sensibilität neu interpretiert: Die Banalität eines so alltäglichen Gegenstands – ein altes Brett – wird in eine sensorische Schwelle verwandelt, die eine direkte Wahrnehmung des Hier und Jetzt zu wecken. Aus diesem Grund wurde der Duft von Lorbeer hinzugefügt, der etwas Archaisches, Rituelles mit sich bringt – aber vor allem das Gefühl von zuhause, von Vertrautheit.
Die Entscheidung, die Bretter in Paraffin nachzubilden, nimmt der Materie ihr Gewicht, entmaterialisiert ihre praktische Funktion und lädt sie mit einer tieferen symbolischen und sinnlichen Bedeutung auf. Jeder Schritt hinterlässt Spuren, verwandelt sie: Der Boden gibt nach, verändert sich, lässt sich durchschreiten.
Diese Geste erinnert auch an die Technik des Wachsausschmelzens, ein jahrhundertealtes Verfahren, bei dem das ursprüngliche Modell zerstört wird, um Platz für eine neue Form zu schaffen. Re-stanza arbeitet mit der Subtraktion: Die Arbeit lehnt die Aura der Distanz ab und stellt eine horizontale Beziehung zu denen her, die schauen, zuhören, durch den Raum gehen.
Die Arbeit verändert sich mit dem Vorübergehen der Besucherinnen und Besucher. Sie wird abgenutzt, nimmt auf. Im Vergänglichen wird das Dauerhafte bewahrt: Jeder Verlust eröffnet eine neue Form der Dauerhaftigkeit. Es ist eine Erinnerung, die nicht durch Konservierung, sondern durch Reibung, durch Berührung aktiviert wird.
Der Paraffinboden wird so zu einer sinnlichen und partizipativen Erfahrung, die vom Geist zum Körper übergeht und den Ausstellungsraum und die Arbeit, das Sichtbare und das Unsichtbare in Beziehung setzt. Ausgehend von einer persönlichen Erinnerung möchte die Arbeit eine kollektive Dimension erschliessen.
Wer eintritt, wird eingeladen, zu gehen, zu fühlen, sich zu erinnern. Jeder Fussabdruck ist eine Spur, ein Riss, ein Zeichen der Gegenwart, des Durchgangs, der Beziehung. Bei dieser langsamen Überquerung setzt sich eine Idee der Re-stanza durch: die Möglichkeit, in Zeit und Raum zu verbleiben, ohne sich der Raserei der Auslöschung hinzugeben.
Re-stanza ist eine Form des stillen Widerstands, geprägt durch Achtsamkeit, Wiederentdeckung und Zuhören. Es ist keine Nostalgie, kein Rückzug, sondern eine Öffnung hin zu einer vielschichtigen Zeit, geprägt von Wiederkehr und Resonanz.
Denn Zeiten verlaufen nicht linear: Sie überlagern sich, wandeln sich. Im gleichzeitigen Dasein der Zeiten nimmt die Erinnerung Gestalt an: zwischen dem, was bleibt, dem, was zurückkehrt, und dem, was werden kann.
Re-stanza ist somit eine Einladung, das Fragile, Unvollkommene, aber dennoch Lebendige zu berücksichtigen. Jede Spur, die die Besuchenden hinterlassen, zeugt von einer Begegnung, einem Echo. Das Überqueren des Bodens ist nicht nur eine physische Geste: Es ist ein symbolischer Akt, der Sorgfalt, Verantwortung und Kontinuität hervorruft. Es ist eine lebendige Erinnerung, die sich stillschweigend unter den Füssen ablagert und von dort aus weitergeht.

© 2023 Denis Savi 

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