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Allmende das Land

 

Die Performance A Campo Aperto (To lose) und Common Essence sind zwei Arbeiten, die im Rahmen des Projekts «Parzelle 1538» auf dem Rütihöger in Ostermundige, miteinander im Dialog stehen. 

Die Arbeiten erkunden verschiedene Sprachen und Ansätze. Sie sind das Ergebnis der Recherchen, die im vergangenen März mit dem Projekt der Umwandlung der Parzelle 1538 in eine Allmende begannen. Im Zentrum meines Interesses standen insbesondere die Beziehungen zwischen den Menschen, die dort leben, und der Erde, die sie umgibt, dem territorio, wie wir auf Italienisch sagen. Dabei verstehe ich Erde nicht nur als Boden, sondern als Raum von Identität, Erinnerung und kollektiver Teilnahme. Die Arbeiten befragen die Bedeutung des Territoriums, indem sie es nicht nur als physisches Element, sondern als eine wesentliche Dimension des kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Gefüges neu denken. Das Territorium erscheint hier als gemeinschaftliche Matrix, als ein Ort, der Geschichten, Erinnerungen und Beziehungen aufnimmt und zum Spiegel des Gefühls von sozialer Einbeziehung oder sozialem Ausschluss werden kann. Jede Intervention lädt das Publikum ein, die Erde als gemeinsames Gut neu zu entdecken und als Raum für aktiven Dialog und Co-Kreation nicht nur in der Gegenwart, sondern vor allem auch in der Zukunft zu nutzen.

Das Territorium wird als ein organisches Archiv von Erinnerung verstanden, als ein lebendiger Raum, der Erzählungen über die Zeit bewahrt und weiterträgt, der durchdrungen ist von persönlichen Erfahrungen und gemeinsamen Dynamiken. Die persönliche Wahrnehmung spielt eine zentrale Rolle: mein direkter Bezug zum Territorium, erlebt in den Interaktionen mit den Menschen, die in der Nähe der Parzelle wohnen, durch ihre Beobachtungen und Gesten, haben den Forschungsprozess und die künstlerische Auseinandersetzung geleitet. Jedes Zeichen, jede Wahl von Materialien und Räumen trägt die Spur dieses inneren Dialogs mit dem Ort und den Menschen, die dort leben. 

Der rote Faden zwischen den Arbeiten ist die Verwendung von Heu, das von der Parzelle 1538 entnommen wurde. Es wurde geschnitten, gesammelt, ein Jahr lang vakuumverpackt gelagert, und schliesslich bearbeitet. Die Tatsache, dass Heu ein einfaches und alltägliches Material ist, aber eine Reihe von Bedeutungen und Verwendungen mit sich bringt, die sich von Ort zu Ort kaum unterscheiden, macht es in meinen Augen zu einem Beispiel für ein kulturübergreifendes Material und ein Element der Konvergenz, durch das Menschen verschiedener sozialer Zugehörigkeiten innerhalb ein und derselben Gemeinschaft interagieren, sich austauschen und gemeinsam neue Bedeutungen erschaffen können. Die Entscheidung, in meinen Arbeiten Heu zu verwenden, verweist auf eine sensorielle Dimension, mit der ich auf die traditionelle Bedeutung des Begriffs Allmende hinweisen möchte. In einem Akt der Demokratisierung möchte ich dazu einladen, über die kollektive Verwaltung des Territoriums nachzudenken. Die Hoffnung besteht darin, damit einen Raum für Experimente über die Nutzungsmöglichkeiten des Bodens zu öffnen und eine Brücke zwischen individuellen und gemeinsamen Erfahrungen zu schaffen. Die Allmende kann so zu einem Labor für Ideen oder einem Ausgangspunkt zum Nachdenken über alternative Verwaltungsmodelle werden, die öffentliche, private und gemeinschaftliche Elemente vereinen.

 

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Photos  by Johanna Bossart and Christian Beutler

© 2023 Denis Savi 

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